Anfang dieser Woche.
Ich: „Chefin, ich fühle mich etwas schlapp, da ich eine Erkältung habe, und werde deshalb diese Woche immer kurz nach Mittag Feierabend machen.“ (Anmerkung: Das Monster hat 170 Mehrstunden im Speicher, die sowieso abgebaut werden sollen, bei 180 Stunden ist eh Schluss mit lustig.)
Chefin: „Ja, ja, natürlich! Wenn’s gar nicht geht, bleiben Sie auch einfach mal einen Tag zu Hause!“
Ich: „Nein, nein, es ist nur eine normale Erkältung. Ich bin halt etwas maddelig.“
Chefin: „Sie wissen aber, dass das auf’s Herz gehen kann?“
[Hallo? Ich bin die künftige Herrscherin der Welt, so eine Erkältung wird ja wohl mein Herz nicht unterkriegen!]
Ich: „Ja, ich weiß, aber es ist nur ein bisschen Schnupfen und Husten…“
Chefin: „Das kann auf den Herzmuskel gehen!!! Das werden Sie Ihr Leben lang nicht mehr los!!!!“
Ich: „Ich bin vorsichtig.“ Verlasse schnell das Büro.
Donnerstag.
Chef-Chef kommt auf mich zu und will mir die Hand schütteln. Ich sage aber zu allen Leuten, selbst zu unseren Managern, dass sie auf Abstand bleiben sollen, um sich meine Erkältungsbazillen vom Hals zu halten, und das klappt auch gut. Bisher habe ich jedenfalls niemanden infiziert.
Chef-Chef: „Sind Sie krank?“
Ich: „Nur eine normale Erkältung.“
Chef-Chef: „Wenn es nicht geht, bleiben Sie aber bitte zu Hause.“
Ich: „Ja…“
Freitag.
Chef-Chef: „Geht es Ihnen heute besser?“
Ich: „Ja!“ (Höre mich leicht heiser an, weil die Erkältung ein bisschen auf Hals und Stimme geschlagen hat. Die liebe will ihren Besuch halt etwas ausnutzen, kann man ja verstehen, trägt aber nicht zu meiner Glaubwürdigkeit bei.)
Chef-Chef: „Nein.“
[Wenn ich schon Weltherrscherin wäre, hätten Sie sich diesen Widerspruch aber nicht erlaubt, gelle?]
Ich: „Doch, doch, alles okay.“
Chef-Chef: „Ich sehe das ja, Sie machen zwar immer kurz nach Mittag Feierabend, aber das hilft nicht wirklich. Sie müssen sich vernünftig auskurieren.“
Ich: „Ich habe ja jetzt noch zwei Tage, um mich zu erholen. Montag ist alles wieder gut.“
Chef-Chef: „Wenn nicht, bleiben Sie Montag zu Hause.“
Ich: „Jaaa… Aber das ist Montag bestimmt wieder besser.“
Chef-Chef: „Aber wenn nicht, bleiben Sie zu Hause.“
Ich: „Okay…“ Chef geht weg.
Ich: „Aber ich bin optimistisch.“
Chef-Chef (dreht sich noch mal um): „Das ist eine Dienstanweisung.“
Ich: „Jawoll!“
Freitag, kurz nach Mittag.
Ich (zu Chef-Chef): „Tschüs und schönes Wochenende.“
Chef-Chef: „Danke, gleichfalls. Und denken Sie daran. Wenn es nicht geht, kommen Sie Montag nicht.“
Ich: „Ja, ich weiß, aber es wird bestimmt wieder gehen.“
Chef-Chef: „Ich schicke Sie wieder nach Hause, wenn Sie nicht gesund sind!“
Ich werde nun Montag spaßeshalber husten, wenn Chef-Chef in meine Nähe kommt. Mal sehen, ob er mich wirklich nach Hause jagt… Hui, ein Alarm wegen einer Wald- und Wiesen-Erkältung. Ich bin einfach nicht so gepolt, dass ich wegen so etwas gleich zu Hause bleibe, obwohl es einerseits vernünftig wäre. Andererseits weiß ich, dass, wenn ich 2 – 3 Tage zu Hause bleibe, eine Flut von Mails auf mich wartet und ich davon gleich wieder extrem gestresst werde, was erst recht nicht gesund ist. So konnte ich zumindest immer das Wichtigste wegarbeiten, was auch fürs Chaosprojekt gut war, das zur Zeit in der heißen Phase steckt und sowieso schon mit vier kranken Projektteilnehmern zu kämpfen hat… Und ansonsten habe ich einiges einfach konsequent abgeblockt.
Ernsthaft, ich lästere hier ja öfter mal über die arme Irrenanstalt, aber dieser Anflug von Fürsorge war schon sehr nett. Überhaupt arbeite ich eigentlich recht gern dort, es ist nur leider oft sehr viel Arbeit und Druck, dergestalt, dass ich mich manchmal völlig überfordert fühle. Aber die Kollegen sind fast alle sympathisch, und wer schon mal mit Leuten zusammengearbeitet hat, die einem gar nicht liegen, weiß, dass das unbezahlbar ist… Es ist zwar auch einiges im argen, ganz umsonst fluche ich hier nicht öfters, aber in vielen anderen Firmen geht es weitaus schlimmer zu.
Also heute mal eine kleine Ehrenrettung für die Irrenanstalt. Bis zu dem Tag, an dem sie mir wieder Anlässe zu wilden Flüchen geben wird. Und der Tag ist sicher nicht fern.











