Heute geht der Amo-Award an Philipp Mißfelder, den Dynamiker von der Jungen Union. Er sagte folgendes:
„Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“
Was für ein schlaues Kerlchen. Schon vor einigen Jahren „erfreute“ er uns mit folgender Aussage:
„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“
Wir stellen also fest, dass der gute Philipp es nicht so mit den Schwachen in der Gesellschaft hat. In Sachen Hartz-IV-Schelte ergänzte er zwar mittlerweile seine Aussage, hielt es aber nicht für nötig, sich für seine pauschale Beleidigung von Hartz-IV-Empfängern zu entschuldigen:
„Wir brauchen aber eine Diskussion über die Frage, wie mit sozialen Leistungen der Allgemeinheit von den Betroffenen umgegangen wird. Leider kommen sie häufig nicht zielgenau an.“
Mehr dazu hier.
Unbestreitbar gibt es das große Problem der Kinderarmut und natürlich kommt das Kindergeld nicht immer dem Nachwuchs zugute; anstatt aber das Thema mit dem gleichen Elan wie z. B. Rettungsaktionen für „notleidende“ Banken anzugehen, schmeißen wir lieber mal wieder mit dem Klischee des bierbäuchigen, dauer-tv-glotzenden Hartzlings um uns. Nur am Rande sei erwähnt, dass es Kinderarmut auch in Familien gibt, in denen die Eltern zwar kein Hartz IV empfangen, dank niedriger Löhne aber ebenfalls finanziell zu kämpfen haben. Und, ja, mir ist bewusst, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder vorm TV parken, nicht mal in der Lage sind, ihnen ein Pausenbrot zu schmieren etc. Hier ist sicher Handlungsbedarf nötig. So etwas kommt übrigens auch in reichen Familien vor, Stichwort „Wohlstandsverwahrlosung“. Aber, ach Du Güte, das wird ja schon wieder alles so komplex und verwirrend, verstehen das denn die dummen Stimmviecher… pardon Wähler? Wohl nicht, aber so ein bisschen Hartz-IV-Empfänger-Beschimpfe geht immer!
Ich wünsche Herrn Mißfelder für einige Wochen zwei Sachen, in der Hoffnung auf einen gewissen Lerneffekt:
- Leben mit Hartz IV
- Leben im Körper eines 85-jährigen mit Hüftschaden
Vielleicht würde er dann endlich mal kapieren, was er für einen geistigen Sondermüll produziert. Vielleicht würde er lernen, dass das Problem der Kinderarmut viel komplexer ist. Und ganz großartig wäre eine Einsicht, dass wir in Zeiten leben, in denen Hartz IV fast jeden treffen kann. Sollte sogar ganz viel Hirnmasse in seinem Oberstübchen in Bewegung geraten, mag ihn die Erkenntnis heimsuchen, dass es Alkoholkranke auch in Familien ohne Hartz-IV geben soll…
Leider liegt es nicht in meiner Macht, für diesen Sonderunterricht zu sorgen. So bleibt mir nur, für diese unverschämte Pauschalisierung den AmO-Award zu verleihen. Schreiben Sie sich das hinter die Ohren, Herr Mißfelder:















