In den letzten beiden Kapiteln habt Ihr sicher sehr aufmerksam verfolgt, wie ich Rahm Emanuel meinen Supersonderspezialtätschel zeigen wollte, wir allerdings ständig unterbrochen wurden, sei es durch Berlusconi oder auch eine aufdringliche Zensursula.
Das ging den ganzen Tag so weiter. Erst kam zu Guttenberg und fragte, was er in Sachen Opel unternehmen solle (können die denn nichts alleine?), dann tauchte dieser Mißfelder auf und bettelte um gute Tipps, um mal wieder ins Gespräch zu kommen (ich empfahl ihm, einfach mal ein paar verrottete Fische an Angie zu schicken). Sowohl Rahm als auch mir kamen die ständigen Störungen deutscher sog. Politiker seltsam vor. Die Krönung war dann aber der Anruf eines Baguettebrotes aus Paris. (Manchmal möchte man kein Bildtelefon haben, nicht wahr?)

„Ich bin nicht ‘arald“, erklärte Rahmi energisch, während ich überlegte, ob ich Mehlsuppe besorgen sollte. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass es sich um die unberühmte Z-Promi-Schauspielerin Bernadette Baguette handelte. Sie war auf der Suche nach dem BigProducer, um ihn um eine Hauptrolle zu bitten. Ich schickte sie nach Oberhausen.
„So geht das nicht weiter“, sprach Rahmi genervt. „Wir werden die Tätschelvorstellung auf nachts verschieben. Es hat seinen Grund, dass die meisten Menschen nachts…“
„Ja, ja“, antwortete ich. „Aber ich muss doch dann in die Irrenanstalt. Wenn es hier nachts ist, ist es in Deutschland Tag, so mehr oder weniger zumindest.“
„Engagiere einen Stellvertreter! Das, was Du da an Aufgaben hast, kann ja wohl jemand anderes auch leicht ausüben!“
Die Idee war brillant. So erzählte ich also Murmel, der hochintelligenten Murmeltierdame, kurz, was in der Irrenanstalt zu tun war:
- Unwichtige Statistiken erstellen
- Patienten betreuen: SAP- und andere Fragen beantworten
- In Besprechungen rennen
- Nicht aus Versehen einschlafen, wenn Manager in der Nähe sind
(Ihr erinnert Euch an Murmel? Sie kam von de Günn und ist Murmelchens unsterbliche Liebe. S. auch die entsprechende Kategorie.)
Murmel war begeistert, dibberte sie doch schon seit Wochen danach, mal in die Irrenanstalt zu dürfen. Murmelchen, ihr Murmeltiermann, war zwar nicht begeistert, respektierte aber ihren Wunsch. Was blieb ihm auch übrig? Hier haben die Frauen das Sagen…

Mit Feuereifer stürzte sich die äußerst puschelige Murmeltierlady auf die Arbeit. Zunächst begann sie mit einer äußerst wichtigen Statistik:

Die brillante Idee, mittels Excel Puscheligkeit und Liebe in der Irrenanstalt zu verbreiten, ist einfach epochal! Dass mir das nie in den Sinn gekommen ist… Allerdings soll Excel wohl die Funktionsargumente nicht als solche erkannt haben. Excel ist also ein unpuscheliges Programm.
Murmel ist nicht die Frau, die sich durch so was entmutigen lässt. Also versuchte sie, mittels des SAP-Zen-Buddhismus Puscheligkeit und Liebe zu bestellen:

Das klappte natürlich besser. Mit dem SAP-Zen-Buddhismus klappt eben alles besser. Aber hier merkte man schon, dass sie anfing, Murmelchen zu vermissen. Sie erinnerte sich daran, dass es ja in diesem Blog ein Foto von ihm gibt. Das starrte sie nach der Banfaktion ausgiebig an. Während der Arbeitszeit!

Doch leider wurde sie ständig gestört. Andauernd riefen Leute an und wollten irgendwas wissen oder Statistiken haben. Murmel war nach dem zehnten Telefonat etwas genervt. Wen interessiert denn schon, wie man SAP-Bestellungen ausdruckt oder Auswertungen über irgendwelche Mengenkontrakte oder Infosätze erstellt? Das war alles so unmurmelig! Also tat sie das einzig Richtige:

Telefonkabel durchknabbern! Schmeckt nicht, ist aber wirksam!
Doch da meldete sich Outlook zu Wort und erinnerte an einen wichtigen Besprechungstermin. Der Lenkungsausschuss zu einem Projekt tagte. Murmel war begeistert. Sie war vorher noch nie Mitglied in einem Lenkungsausschuss gewesen und erwartete Spannung pur!

Aber nach einer Viertelstunde Besprechung höchst langweiliger Angelegenheiten spürte Murmel ein wohlbekanntes Gefühl: Müdigkeit. Murmeltiere schlafen ja gern und viel. So döste sie mitten im Meeting weg und schickte mir hinterher eine Mail, in der sie mich fragte, ob ich ihr sehr böse sei, dass sie mich nicht würdig vertreten hätte. Ich antwortete, dass alles okay sei. So hat wenigstens niemand den Unterschied gemerkt.
Erschöpft von so viel ermüdender Nichtaktion ruhte sich Murmel in der Mittagspause auf meiner Schreibtischlampe aus.

Den Nachmittag schnappte sich Murmel einige Notizen von mir und versuchte, entsprechende Lösungen auszutüfteln:

Das fiel ihr auch nicht weiter schwer: Sie aß die Notizen einfach auf. Was nicht existent ist, bereitet auch keine Probleme, meinte sie. Vielleicht ist diese Philosophie hier und da diskussionswürdig, denn beim Herrn Berlusconi bereitet das, was nicht da ist, durchaus Probleme. Und leidet nicht auch Zensursula unter der nicht existenten Einsichtsfähigkeit? Aber egal, Hauptsache, es hat Murmel geschmeckt!
Und während Murmel mich eine Woche lang in der Irrenanstalt wacker vertreten hat, konnte ich Rahmi ausgiebig den Spezialtätschel zeigen. Davon nun hier keine Fotos mehr, weil es eh schon so viele Bilder in diesem Beitrag gibt. Und somit gab es ein Happy End. Haaaach! Schöööön!
(Bleibt noch anzumerken, dass ich nach meiner Rückkehr in die Irrenanstalt für meine explosive Leistungssteigerung gelobt wurde. Hm, Mist. Kein Happy End ohne einen Hauch Tragik…)
Und die nächste Regel des Fotospiels wird wieder verdammt einfach. Ich sage nur: Zurück zu den Wurzeln! Ein Motto vorgeben und fertig. Alles spricht dafür, dass Blinkfeuer gewinnen wird. Oder reicht noch jemand ganz schnell eine Fotostory ein?