Qualitätsjournalismus!

Armer Tim. Der Torwart mit dem IQ einer Wiese kam im Hamburger Abendblatt denkbar schlecht weg. Nun bin ich zwar kein Tim-Wiese-Fan, aber dass er Angst vor Pfiffen haben sollte, erschien mir seltsam, da total untypisch für Tim Wiese. Man kann ihm ja viel vorwerfen, aber dass er vor Angst zitternd um einen Nichteinsatz bittet, sollte jedem, der sich auch nur ein bisschen im deutschen Fußball auskennt, gleich verdächtig vorkommen. Sportredakteuren aber scheinbar nicht, zumindest nicht allen.

Und tatsächlich: Nimmt man die Mühe auf sich und klickt sich durch einige andere Artikel in diesem Internetdingens, kommt man der Angelegenheit auf die Spur: Tim Wiese ging es um die Nationalmannschaft, für die das Auspfeifen von Mitspielern nicht förderlich sei.

Das muss wohl dieser Qualitätsjournalismus sein, von dem z. B. Herr Döpfner so oft redet, gern im Zusammenhang mit der bösen, bösen Kostenlosmentalität im Internet.

Da können wir aber von Glück sagen, dass im politischen Bereich sehr viel sorgfältiger recherchiert wird. Ganz bestimmt! Was guckt Ihr so skeptisch? Da wird doch kein Wirtschaftsminister mit positiver Berichterstattung zum beliebtesten Politiker Deutschlands hochgeschrieben. Und es gibt auch keine Interviews mit Frau von der Leyen, in denen sie nicht kritisch mit Internetsperren konfrontiert wird. Gerade der Hüpferverlag ist für knallharte Recherchen so bekannt wie Frau Merkel für glasklare Aussagen im Wahlkampf. (Ihr wollt ein Beispiel? Kein Problem. Äh… also… Ich komm später drauf zurück, okay?)

Ich freue mich, dass demnächst hoffentlich diese Perlen des Journalismus angemessen gewürdigt werden, indem wir dafür bezahlen dürfen. Schluss mit Zeitungsverlagen, die am Hungertuch nagen, weil das böse Internet dem Leser alles quasi kostenlos aufzwingt. Wir brauchen dringend eine Aktion: „Der Hüpferverlag muss (über)leben!“

Veröffentlicht in Medien. 6 Kommentare »

Habe einen sehr guten Artikel zum Zensursula-Gesetz entdeckt…

Statt den 7841. Artikel zum Thema zu verfassen, verlinke ich auf einen sehr lesenswerten Artikel, den ich bei Silencer entdeckt habe. Jens Scholz listet schön strukturiert alle Argumente auf, die gegen das Gesetz sprechen. Meine Erfahrung ist, dass gerade Leute, die das Internet nicht sehr intensiv nutzen, das Gesetz erst mal für sehr sinnvoll halten. Nicht, weil sie laut hurra schreien, dass hier ein Werkzeug für Zensur geschaffen wird, sondern einfach, weil sie den Aussagen der Familienministerin glauben. (Diskussionen im Bekanntenkreis.) Auf den ersten Blick ist das Ziel ja auch aller Ehren wert. Aber selbst ich weiß mittlerweile, wie man diese Sperre umgehen könnte, und ich bin alles andere als ein versierter Internetnutzer. Ich weiß einigermaßen, wie man sich in Foren verhält, und ich blogge, aber selbst das nur mit einem standardisierten System, bei dem man sich nicht viele Gedanken um die Technik machen muss. Das reicht in einem großen Teil meines Bekanntenkreises zwar schon aus, um als Internetfreak zu gelten, aber ich rede hier über Menschen, die ab und zu mal was bestellen und nach Informationen googeln oder Wikipedia aufrufen, jedoch ansonsten einfach kein großes Interesse am Internet haben und daher an die Wirksamkeit des Gesetzes glauben. (Ich möchte das auf keinen Fall verallgemeinern, es sind nur die Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Ab morgen bin ich wieder in der Irrenanstalt und werde mich dort mal vortasten, wie die Kollegen zu der Angelegenheit stehen.)

Das heißt, wenn selbst ich nach einigen Minuten weiß, wie’s geht, werden User, die sich den Dreck, der durch das Gesetz verhindern soll, aus dem Internet ziehen möchten, ebenfalls relativ schnell herausbekommen, wie die Sperre umgangen werden kann, sofern sie es nicht eh schon wissen. Ganz unbedarft in Sachen Internetnutzung sind diese Leute sicher nicht, denn es ist ja nicht so, dass man ganz einfach, quasi zufällig, an diese Art von Material kommt, nach dem Motto, ich gebe bei der Tube einfach mal einen entsprechenden Suchbegriff ein. Dass das Internet die Verteilung dieses widerlichen Materials vereinfacht hat, bezweifel ich nicht, ich glaube aber nicht, dass durch das Gesetz auch nur ein Kind weniger leiden wird.

Nehmen wir mal an, dass Frau von der Leyen wirklich nur die besten Absichten hat und Kinderleid verhindern möchte, indem sie eines der widerlichsten Verbrechen, die es gibt, zu unterbinden versucht, aber mittlerweile sollte es sich auch zu ihr herumgesprochen haben, welche Grenzen sie überschritten hat. Und einige in der Regierung reiben sich vergnügt die Hände in Anbetracht der Möglichkeiten, die sich eröffnen…

Nun habe ich doch noch meinen Sermon dazugegeben, wollte ich ja eigentlich gar nicht… Lest den Artikel von Jens, er schreibt das alles wesentlich eloquenter und fundierter.

P. S.: Die Software für die Sperrung muss erst programmiert und ausgiebig gestestet werden, daher ist mit Verzögerungen zu rechnen, sagte ein Telekom-Sprecher. (Quelle.)

Veröffentlicht in Medien, Politik. Schlagworte: . 9 Kommentare »

Medienpreis…

… für zwei „Bild“-Reporter. Ganz in Echt. Weil sie so verantwortungsvoll über die Wirtschaftskrise berichtet haben, anstatt Panik zu schüren. Wohltuend sachlich und ruhig hätten die beiden berichtet, so die Jury.

Prima. So! Und ich habe neulich im BerndBlog in einer Diskussion auch ganz sachlich und ruhig über Manager, Reiche und Politiker palavert, so total ausgleichend und gar nicht hetzerisch. Nirgends ein Aufruf zum Erschießen!  Nicht mal ein Vorschlag, sie mit Spatzenkot oder Straußeneiern zu bewerfen. Ausgewogener geht’s ja wohl nicht! Und — bekomme ich nun den Friedensnobelpreis? Hallo? Und wohlgemerkt, Tommy Krappweis, der große Tommy Krappweis, hat mir zugestimmt! Dafür müsste ich eigentlich auch noch das Brotverdienstkreuz am zu kurzen Armband kriegen.

Außerdem möchte ich für dieses Blog irgendeinen Literaturpreis verliehen haben. In einer Welt, in der Pocher bei den weltbesten Comedians auftritt, „Bild“-Reporter Journalistenpreise gewinnen und ich noch immer nicht die Weltherrscherin bin, ist das konsequent, sachlich und wohltuend verantwortungslos.

Ja, ja, zur Not schreibe ich mir die Laudatio auch selbst. Aber nun mal ran hier mit den Preisen. Ich gehe jetzt „Bella Block“ gucken.

Umfrage

Radiosender dieser Welt, seht her:

last_christmas

Eindeutiger geht’s ja wohl nicht. Bitte nächstes Jahr auf das Lied verzichten, OK? Spätestens, wenn die Weltherrschaft mein ist, hat sich das Thema sowieso erledigt. Vielen Dank, liebe Programmgestalter. Und wenn wir schon mal dabei sind, hier eine Durchsage an nervige Dudelchartformatradiosender:

  • Hört auf, uns mit diesen ach so lustigen, immer so gut drauf seienden, aber in Wirklichkeit gar nicht witzigen Moderatoren, oft noch im Doppelpack, zu nerven. Vor allem morgens!
  • Eure albernen, hohlen Gewinnspiele nerven!
  • Speist doch mal in Eure computerzusammengestellten Playlisten was anderes als immer nur dieselben 150 Chartjauler ein.
  • Konzertbesucher, die nicht nur ihre Kritik abgeben, sondern auch noch die Hits nach“singen“, haben nichts in den Nachrichten zu suchen. Das. Sind. Keine. Nachrichten.
  • Bitte stampft Eure nervigen Jingles, die Ihr nach jedem Song einspielt, ein. „Die Hits der 80er, 90er und das Beste von heute. Radio Blödfunk…“. Hey, wir begreifen es auch, wenn Ihr das nur zweimal die Stunde dudeln würdet, wenn’s denn unbedingt sein muss. Nicht, dass es dadurch wahrer wird. Und vor allem: Hört auf damit zu behaupten, dass Ihr „mehr Vielfalt“ bietet. Nee, immer dieselben Songs zu spielen, ist keine Vielfalt.

Das musste mal raus. Am Rande sei erwähnt, dass wir hier in Hamburg nicht gerade mit einer tollen Radiolandschaft gesegnet sind, so viel zum Thema „Alternativen“. Zumindest gibt es gute Webradios, hier ein Beispiel.

Und ich möchte, dass die Schlagworte-Funktion bei WP endlich wieder funktioniert, heul…

Veröffentlicht in Medien, Miesigkeiten, Musik, Umfrage. Schlagworte: , , . 4 Kommentare »

Brauchen wir das?

Hier sitze ich und vertreibe mir die Zeit damit, mal meine Unterlagen aufzuräumen, und da fällt mir eine etwas ältere Werbung, über die ich eigentlich schon vor längerem bloggen wollte, in die Hände. Das Objekt, welches beworben wird:

Ein Hundetrendmagazin.

Haben wir Hundebesitzer darauf gewartet? Brauchen wir das? Ist das vielleicht ganz okay, wenn nur die Qualität der Artikel stimmt, auch wenn einigen von uns bei Begriffen wie „Life-Style“, „trendy“ und den ganzen verwandten Hip-Begriffen etwas müde im Gesicht wird? Mag sein. Eine Formulierung lässt mich jedoch im Hinblick auf dieses Magazin skeptisch werden. Auszug aus einem Rasseportrait:

„Die Generation Mops wird begeistert sein, denn ein neues Knautschgesicht ist auf dem Weg zum Trendhund!“

Ich habe eine Abneigung gegen den Begriff „Trendhund“. Man schafft sich, verdammt noch mal, keine bestimmte Hunderasse an, nur weil die gerade besonders „in“ ist. Es sei denn, man heißt Paris Hilton oder schippert auf ähnlich niedrigem IQ wie diese Person durch das Leben.

Ohne a little bit English geht’s natürlich auch nicht:

  • Dogtalk
  • Designerdogs
  • Have a Look

Und ein „Shopping Guide“ darf nicht fehlen, ganz klar. Ich gehöre ja zu den Leuten, die Bekleidung für Hunde eher albern finden, außer natürlich, wenn es notwendig ist. Solange es mit etwas Halsband-Schnickschnack, der den Hund nicht weiter stört, getan ist, oder man dem Tier aus Gag mal ein Weihnachtsmützchen aufsetzt, ist auch noch alles im grünen Bereich. Aber Jäckchen, Schühchen, Stiefelchen als Dauerbekleidung für das arme Tier, das geht gar nicht. (Außer, wie bereits erwähnt, falls es notwendig ist. Ich betone das lieber zweimal, weil manche aus der Kategorie sich so schnell angegriffen fühlen.) Kann natürlich sein, dass im „Shopping Guide“ nur gaaanz sinnvolle Artikel vorgestellt werden… Ich habe hier wie gesagt nur einen kleinen Prospekt mit Auszügen liegen.

Es gibt auch gute Artikel, zum Beispiel Ratschläge in Sachen Erziehung oder Tipps für Sport, Spaß und Spiel. Interessant klingt die Rubrik „Hundeleben in aller Welt“. Und Oliver Kalkofe, der große Oliver Kalkofe (nein, ich kenne die Körpergröße nicht, nur um schon mal einschlägigen Suchenden die Antwort zu geben) schreibt in dem Heft. Das ist natürlich ein großer Pluspunkt.

Fazit: Könnte eine interessante Zeitschrift sein, aber muss man Life-Style-Kram und Trendyismus ausgerechnet in einem Hundemagazin unterbringen? Wäre das nicht, hätte ich mir die Zeitschrift bestimmt schon gekauft, doch durch diese Begriffe hat man mich eher abgeschreckt. Mal sehen, vielleicht nehme ich sie mit, falls sie mir beim Zeitschriftenhändler in die Finger gerät. Aber einen „Unbedingt-Haben-Wollen“-Reflex empfinde ich nicht gerade.

Und noch mal Uli Stein. Ich bin gerade dabei, ein bisschen in meinen Cartoon-Bildern zu stöbern. :-)

hund_hassliches_herrchen

Veröffentlicht in Cartoons, Hunde, Medien. Schlagworte: . 5 Kommentare »

Skandale, Skandale

Lauter Skandale allüberall in diesem Land, es ist kaum zu glauben.

Erster Skandal: Lese ich doch vorgestern am Kiosk eine gefühlte 1,5 m hohe Überschrift, Ihr wisst schon, in dieser Blut- und Busen-Zeitung (bild Dir keine Meinung), dass der Beitrag einer 16-jährigen im Fernsehen zensiert werden musste, da sie böse Wörter gesungen hat, also solche mit F. Eine Recherche im WWW ergab, dass es sich um eine dieser pädagogisch hochgeschätzten Casting-Shows handelte. Welche, ist in diesem Zusammenhang völlig egal. Lasst mich ein paar wertvolle, aus meiner Lebensweisheit gespeiste, Worte an die Kandidatin richten:

Liebe 16-jährige,

so geht das nicht. Du kannst nicht im Fernsehen irgendwelche Pfui-Bäh-Worte in den Mund nehmen. Wo kommen wir denn da hin? Gut, manche kommen damit in die Blödzeitung oder ins Fernsehen, und manche werden sogar so berühmt, dass sie Oliver Pocher ein Döschen mit einer bestimmten Körperflüssigkeit mitbringen und ihn völlig aus dem Konzept bringen dürfen. Aber willst Du das? Ich denke mal, nein. Das ist doch keine Zukunft für eine junge Frau, da hat die Blödzeitung ganz recht.

Alternativvorschlag: Fast nackt ausziehen und sich mit einem pseudoerotischen Text auf Seite 1 der Blut- und Busen-Zeitung präsentieren. Das ist doch viel schöner, und vor allem wirst Du dann nicht von Oliver Pocher eingeladen.

Der heutigen Jugend muss man aber auch alles erklären. Was lernen die eigentlich in der Schule?

Zum zweiten, noch viel größeren, Skandal: Bin heute im Edeka-Markt gewesen, und was habe ich dort entdeckt?

Genau. Nix. Nada. Außer dem üblichen Zeugs. Aber wo bitte schön waren denn die Weihnachtsartikel??? Hallo? Geht’s noch? In nicht mal mehr vier Monaten ist Weihnachten, das habe ich genau nachgerechnet! Aber keine Spur von Glühwein in Dosen, Lebkuchen in Herzchenform und Bergen von Christstollen. Und wo waren Marianne und Michael, als Weihnachtsfrau und -mann verkleidet, „Stille Nacht“ jodelnd? Wird es dafür nicht langsam mal Zeit?

So kann ich nicht einkaufen, so nicht! Ich wechsel den Einzelhändler, jawoll! Das habt Ihr nun davon. Ist ja wie in der DDR hier, totale Mangelwirtschaft… Aber eine Chance gebe ich Euch, mich als Kunden zurückzugewinnen: Spätestens im Januar erwarte ich Schoko-Osterhasen!

Übrigens habe ich nun doch etwas Angst, da hat doch tatsächlich jemand folgende Suchbegriffe eingegeben:

hase weltmacht übernehmen

Wittere ich da den üblen Geruch von Konkurrenz? Zwecklos, denn ich habe ja bereits die mächtigste Hasenarmee der Welt auf meiner Seite. Aber noch ist es möglich, sich mir anzuschließen.

HSV hat wieder gewonnen! Und was das Schönste ist: Sie stehen vor Werder Bremen in der Tabelle, der beste Schutz vor Spott von meinen beiden Werder-Bremen-Fan-Kollegen. Nun bin ich am Zug. *muhahaha* Fürchtet den Montag, U. und G.!