Bitte erst lesen und wundern, falls Ihr Euch überhaupt noch über etwas in diesem unseren Lande wundern könnt…
Kurzum: Manche Banker sind so großartig und wichtig, dass es nicht zumutbar ist, ihr Gehalt auf läppische 500.000 Euro zu begrenzen. Ich bin beruhigt. Sonst müssten die Guten und ihre Familien womöglich darben. 500.000 Euro für Bankmanager, das ist so eine Art verschärftes Hartz IV in diesen Kreisen.
Aber das wollen einige einfach nicht verstehen. Lest Euch mal folgende fiktive Diskussion durch. Personen: Ein Topmanager, im folgenden nur Manager genannt, und eine Person, die den Glauben an soziale Gerechtigkeit scheinbar immer noch nicht ganz verloren hat, im Dialog nur Träumerin genannt.
Träumerin: Sagen Sie mal, können Sie verstehen, dass angesichts Ihres Verhaltens einige Menschen fragen, ob Sie noch alle Limetten im Glas haben?
Manager: Nein, wieso? Qualität kostet. Soll ich die Bank retten oder wollen Sie einen unfähigen, unterbezahlten Mann an meine Stelle setzen und sämtliche Arbeitsplätze verlieren? Außerdem: Wissen Sie eigentlich was Elite-Internate kosten? Haben Sie Kinder? Natürlich nicht, dann würden Sie nicht so dumm daherreden!
Träumerin: Wie schwer ist es denn eigentlich, so eine Bank zu leiten, wenn einem der Staat die Millionen zuschanzt und man die faulen Kredite in eine Bad Bank schieben kann?
Manager: Mir gefällt Ihr Unterton nicht! Bankmanager kann nicht jeder!
Träumerin: Okay, dann eine andere Frage. Viele der Angestellten mussten unter der Wirtschaftskrise leiden, Gehaltseinbußen oder sogar Jobverlust hinnehmen. Wäre es da nicht möglich, aus diesem Grunde das Gehalt freiwillig auf 500.000 Euro zu beschränken? Das sind immerhin fast 1 Mio Mark. Oder alles, was über 500.000 Euro liegt zumindest für einen guten Zweck zu spenden? Herr Blessing von der Commerzbank akzeptiert die Begrenzung doch auch und hat Verständnis dafür.
Manager: Sie haben nichts begriffen, oder? Kennen Sie nicht das Motto des Raubtierkapitalismus? „Nimm, was Du kriegen kannst, und Dir wird gegeben werden.“ Was kann ich dafür, dass es so viele Menschen gibt, die nicht im Top-Management beschäftigt sind? Dafür kann ich nicht die Verantwortung übernehmen.
Träumerin: Aber auch die Topmanager wären nichts ohne das Heer von Arbeitern und Angestellten, so eine Firma funktioniert doch nur, wenn alle mitziehen. Und es wäre ein positives Zeichen, wenn Sie aus solidarischen Gründen auf einen Teil Ihres Gehaltes…
Manager: „Halten Sie den Mund! Dieses Geschwafel höre ich mir nicht länger an, ich habe eine Bank zu leiten! Gehen Sie doch nach Kuba, wenn es Ihnen hier nicht gefällt! Schade, dass es die DDR nicht mehr gibt!
Träumerin: Ich brauche jetzt dringend einen Mojito.
(Ähnlichkeiten mit real existierenden Gierlappen sind beabsichtigt und ganz unzufällig. Wohl wissend, dass sie ihre Argumente in Wirklichkeit mit viel mehr Sprachkosmetik versehen.)
Juchuuu, Deutschland Deine Manager… Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nicht alle Manager für rücksichtslose, egoistische Typen halte, es gibt auch andere. Aber von der ersten Sorte laufen für meinen Geschmack immer noch viel zu viele herum. Vielleicht wäre es ja hilfreich, wenn auch mal welche von den Guten häufiger in die Presse kommen, vielleicht merkt die Kategorie „rücksichtslos-dreist“ dann mal was?! Antwortmöglichkeiten: a) Hihi, guter Witz! b) Nein. c) Ach, Quatsch. d) Träum weiter.
Was ich mich schon seit langem frage (schon lange, bevor die Wirtschaftskrise kam): Die meisten Manager haben ihre exorbitant hohen Vergütungen immer mit der „immens hohen Verantwortung“ begründet. Wo tragen sie denn nun die Verantwortung? Gab es auch nur einen Bankmanager, der etwas von seinem reichlich verdienten Geld wieder zurückzahlen musste? Wurde auch nur einem die Villa gepfändet? Im Gegenteil, einige bestanden sogar noch dreist auf hohen Pensionszahlungen.
Und streng rechtlich gesehen, sind sie sogar im Recht. Enteignungen sind nun mal nicht so eben möglich, und die Pensionszahlungen? Tja, wenn es dafür Verträge gibt…
Ich würde hier von der Politik erwarten, dass so etwas mal in dem Sinne geregelt wird, dass das große Risiko, von denen die Manager immer als Begründung geschwafelt haben, wirklich eins wird und eben auch mal Topmanagern nach Missmanagement Hartz IV droht, oder diese extrem unverhältnismäßig hohen Zahlungen werden von vorneherein unterbunden. Gute Manager sollen gut verdienen, damit habe ich überhaupt kein Problem! Aber womit sind zweistellige Millionengehälter gerechtfertigt? Das kann gar nicht mehr im Verhältnis zur Leistung stehen.
Ein Gesetz, das etwas in die Richtung geht, wurde ja nun verabschiedet. Ich hätte das noch schärfer gestaltet, aber egal, warten wir halt meine Weltherrschaft ab, muahahaha…
Zum Schluss noch ein Argument, das man auch häufiger hört: In der Gesamtheit fallen die hohen Managergehälter nicht ins Gewicht (gern auch mal im Zusammenhang mit Themen wie Reichensteuer u. ä. verwendet). In Relation mit der Staatsverschuldung gesetzt, mag das stimmen. Für soziale Projekte sind aber 1000 Euro schon viel Geld. Und hier wird von der Politik gern mal gekürzt. Oder auch: Wie viele Klassenzimmer könnte man mit 5000 Euro renovieren? Das Gesundheitswesen wird systematisch kaputtreformiert, da sind so viele Millionen nicht mehr über und werden es in Zukunft erst recht nicht sein… Der „Witz“, wenn man es so nennen will, ist ja, dass z. B. in Sachen Gesundheitssystem schon von anderen Staaten vorgelebt wurde, wie man es in den Ruin führt, und wir begehen die gleichen Fehler trotzdem fröhlich lächelnd und erfinden noch einige neue dazu, Kreativlinge, die wir sind. Nicht wahr, Frau Grinse-Ulla? Aber genug davon für heute, ich möchte diesen Beitrag mit einer Blogempfehlung abschließen: Hoppel hat seinen Blog „Sozialfragen“ reaktiviert. Hoppel ist ja der Hasengeneral im Elite-Team. Er schreibt dort, was er alles bei seiner Sozialberatung erlebt und schreibt ab und zu kluge Artikel zur Wirtschaftslage.
Hey, habt Ihr’s gemerkt? Ein total schweinkramfreier Beitrag! Und sogar ohne Selbstbeleidigung!